Folge 18 – Auf den Spuren von Christine Lavant

Shownotes

Vor 110 Jahren wurde Christine Thonhauser in St. Stefan geboren. Unter dem Pseudonym „Lavant“ gilt sie heute als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des Landes. Obwohl ihr Start ins Leben denkbar schwierig war. Ein „Zartale“, wie man hier sagt. Als jüngstes von neun in eine Bergbaufamilie geboren, litt Christine von Kindertagen unter physischen und später auch psychischen Erkrankungen. Eine sensible Frau, die lange warten musste, ehe sie Verständnis fand und schließlich auch Anerkennung für ihre Texte erhielt. Zuletzt auch von ihrer unmittelbaren Umgebung, die der ungewöhnlichen Frau zeitlebens zumeist mit – nennen wir es – Skepsis begegnet war.

In Folge 18 des Lavanttal-Podcast begeben sich Nina Popp und Helga Palmer auf eine Wanderung, die den Spuren der „unterschätztesten Dichterin deutscher Sprache“ (© André Heller) folgt. Vom neuen Denkmal über die Bäcklkeusche zum oft zitierten Wetterkreuz bis zur letzten Ruhestatt von Christine Lavant.

Palmer, Vorstandsmitglied der Christine Lavant Gesellschaft, erinnert sich dabei an Begegnungen mit der Dichterin in ihrer Kindheit und erzählt, wie Christine Lavant eigenes Schreiben geprägt hat.

Auf www.christine-lavant.at findest du eine Beschreibung des Spaziergangs, Informationen über die Lavanttaler Schriftstellerin sowie die Veranstaltungen der Christine Lavant Gesellschaft.

https://christine-lavant.com gibt ein Bild über die Aktivitäten der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft.

Bücher über und von Christine Lavant

https://www.wallstein-verlag.de

Helga Palmer, Christine und ich. Life is a Story - story.one.

https://www.lavanttal-storys.at/lavanttal-storys-podcast/ und überall dort, wo es Podcasts gibt.

Das Buch LAVANTTAL STORYS ist im Buchhandel und auf www.lavanttal-storys.at erhältlich.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Sie war ja sehr klein und zierlich, oft mit einer Zigarette in der Hand, und das war für uns Kinder, wie gesagt exotisch.

00:00:16: In Wien musst erst sterben, damit es dich hochleben lassen, aber dann lebst lang.

00:00:25: Und ein bissel so ist es eben mit der Christine auch gewesen.

00:00:31: Dort war dann diese zweite Stube, also die imaginäre Stube.

00:00:37: Grüß euch und herzlich willkommen bei Folge 18 des Lavantal Podcasts.

00:00:45: Ja, es geht voran und es gibt ja auch viel zu erzählen aus der Gegend.

00:00:51: Diesmal nehme ich euch mit nach Sankt Stefan im Lavantal und die Geschichten aus dem Lofentol erzählen.

00:01:00: Diesmal von einer der außergewöhnlichsten Frauen.

00:01:04: Begleiten wird mich Helga Palmer, die sich seit langem intensiv mit dieser Dichterin und ihren Texten beschäftigt und ihre Beziehung auch in einem Buch beschrieben hat.

00:01:15: Ja, hallo, Servus, freut mich sehr.

00:01:18: Ich selbst habe die Dichterin während der Arbeit an meinem Buch neu und in Wirklichkeit als richtig entdeckt.

00:01:25: Sie hat mich und vergessen die Details des Dorflebens meiner Kindheit erinnert, aber auch durch ihre unglaublich reiche und bildhafte Sprache fasziniert.

00:01:36: Die Rede ist von Christine Lavant.

00:01:42: Sagt man Christine Lavant oder Christine Lavant, ich sage immer Christine Lavant.

00:01:46: Eigentlich die richtige Aussprache ist Lavant sowie der Fluss, aber angeblich hatte Werner Berg ihr dazu geraten, dass ihr Namen ein bisschen flotter ausspringen sollte.

00:01:57: Der hat dann gemeint Lavant würde besser klingen, aber eigentlich korrekterweise ist es Lavant.

00:02:04: Dank dir, damit wäre eine Frage geklärt, die mir schon unzählige Male gestellt wurde.

00:02:09: Und ich nehme also mit, beide Varianten sind üblich und ihr werdet in dieser Podcastfolge auch beide Varianten hören.

00:02:17: Christine Lavant, wie es meistens sagt, und Lavant, wie der Fluss.

00:02:22: Geboren wurde die Laufentalerin, die unterschätzteste Dichterin deutscher Sprache, wie sie Andra Heller mal bezeichnete, am 4. Juli 1915 vor 110 Jahren.

00:02:36: Und dieses Jubiläum war für mich Anlass, hierher nach Sankt Stephan im Laufentall zu kommen, wo die Dichterin geboren wurde und bis sie am Tod im Jahr 1973 bei Neue durchgehend gelebt hat.

00:02:49: Wir wollen einige Lebensstationen der Dichterin besuchen und Helga Palma, Vorstandsmitglied der Krastine Lavant Gesellschaft, wird uns begleiten und aus dem Leben der Dichterin erzählen.

00:03:02: Aber bevor wir uns auf den Weg machen, erzählen Sie doch ein wenig von der Krastine Lavant Gesellschaft.

00:03:08: Die Krastine Lavant Gesellschaft ist 1994 gegründet worden. Der erste Präsident war der Hans Linschnig und das war ja der ehemalige Quartiergeber von der Krastine Lavant.

00:03:21: Der hatte dieses Kaufhaus Linschnig besessen, in dem sie ja doch über 20 Jahre gelebt hat. Und eben, dass die Mission ist, ihr Werk, ihr Leben für die Nachwelt eben aufrecht zu erhalten, bekannt zu machen, bekannt der zu machen.

00:03:40: Im Jahre 2014 hat dann der Franz-Bachysel, Magister Franz-Bachysel diese Präsidentschaft übernommen und hat das dann 10 Jahre inne gehabt.

00:03:51: 2024 ist er dann zurückgetreten und die Frau Magister Erna Kinleitner ist jetzt die Präsidentin.

00:03:59: Ja, und diese Gesellschaft ist eben nicht zu verwechseln mit der internationalen Krastine Lavant Gesellschaft, die sich 2015 gegründet hat. Die hat ihren Sitz in Wien.

00:04:11: Genau, was die beiden Gesellschaften vereint ist, eben das Werk dieser außergewöhnlichen Frau zu bewahren, einmal mit Veranstaltungen hier wie da und in Wien auch mit der neuen Herausgabe der Literatur der Werke.

00:04:29: Aber jetzt würde ich gern wissen, wie bist du eigentlich Krastine Lavant begegnet?

00:04:35: Ich war 10 Jahre alt, als die Krastine Lavant gestorben ist, aber mir waren vorher oft mit meiner Mutter einkaufen, eben auch im Kauf aus Linschnik.

00:04:44: Und manchmal hat man dann eben diese etwas exotisch anmutende Gestalt von der Krastine Lavant gesehen, mit ihren schwarzen Kopftuch, ihren eher dunklen Kleidern.

00:04:58: Und sie war ja sehr klein und zierlich, oft mit einer Zigarette in der Hand. Und ja, das war für uns Kinder, wie gesagt, exotisch.

00:05:06: Ich habe sie auch so, aber nur aus der Zeitungen gekannt, wir sind ungefähr gleich alt.

00:05:11: Und für mich war das ein unheimliches Wesen, sie war so klein, dann aus meiner Sicht so wie viele kleine Frauen bei uns am Land.

00:05:19: Da haben wir die Witwen, die schwarz oder dunkle gekleidet waren nach dem Tod des Mannes. Und man hat so Geschichten, als wenn sie geht Nacht spazieren und Schicksal dann raucht.

00:05:29: Und das damals ja zumal für ältere Damen ja wirklich gar nicht üblich war.

00:05:35: Sie war ja eigentlich schon eine anerkannte Dichterin zu dieser Zeit. Allerdings hier im Ort war sie eben auch ein bisschen verrufen, wenn man das so sagt.

00:05:44: Erstens war sie ja mit einem geschiedenen Mann verheiratet, sehr lange, dann eben diese Liebesbeziehung zu Werner Berg.

00:05:51: Und also sehr viele haben sie eben dann als die Spinnerte, die Verruckte bezeichnet. Ich habe das als Kind auch gehört.

00:05:59: Aber das hat irgendwie den Mythos für mich dann auch irgendwann ein bisschen erhöht.

00:06:05: Dann als zwölfjährige habe ich den Herrn Wolfram Ecker als Deutschlehrer bekommen und der war ja in den letzten Lebensjahren von der Christine Lavand mit ihr recht gut befreundet.

00:06:18: Und er war sehr begeistert von dieser Frau und hat uns Kindern sehr anschaunlich, sehr interessant Geschichten aus ihrem Leben und auch über ihr Werk erzählt.

00:06:29: Und mich hat das dann irgendwie total begeistert, das arme, kranke Kind, dass sie so schwer gehabt hat und sie schafft es dann mit durch die Kraft ihrer Worte eben sich aus dem heraus zu heben.

00:06:42: Und wir hätten dann auch eigentlich ein großer Werk von der Christine Lavand als der Arterstück aufführen sollen, nämlich die Rosenkugel.

00:06:52: Und zu meiner grenzenlosen Freude bin ich als die Hauptrolle ausgewählt worden. Das war für mich ja ganz ein Highlight.

00:07:02: Leider ist dieses Projekt dann aus Zeitmangel nie zustande gekommen, aber eben von dieser Stunde an war ich interessiert am Werk an der Person, an der Literatur von der Christine Lavand.

00:07:15: Hab dann ihre Gedichte gelesen als Sturm und Drang, Teenager, hat mich tief ergriffen, obwohl natürlich die Halben habe ich überhaupt nicht verstanden.

00:07:27: Manche verstehe ich heute noch nicht, aber das ist für mich irgendwo so die Faszination.

00:07:33: Manches Mal, da lese ich ein Gedicht und man ist in der richtigen Stimmung, in der richtigen Schwingung oder was auch immer.

00:07:42: Und auf einmal dann merke ich, aha, so hat sie das gemeint. Und das ist immer wieder so ein Aha-Erlebnis, dass man durch diese Hermetik, diesen Mythos, diese Mystik irgendwie auf den Punkt kommt.

00:07:57: Also das ist für mich die Faszination ihrer Gedichte.

00:08:01: Du hast ja selber ein Buch geschrieben, Christine und ich. Darin hast du deine Beziehung auch beschrieben, ja?

00:08:09: Ja, ich habe vor einigen Jahren angefangen, eben auf einer Internetplattform, eben Geschichtchen zu schreiben.

00:08:17: Ich schreibe sehr gerne, das ist eine Sprache, liegt mir irgendwo.

00:08:21: Und dann irgendwann habe ich angefangen, Christine Lavand, relatierte Geschichten zu schreiben und da habe ich dann ein sehr schönes Feedback bekommen.

00:08:31: Und das hat mich dann irgendwie beflügelt und dann habe ich diese Geschichten gesammelt und habe eben ein kleines Büchlein Christine und ich herausgegeben.

00:08:41: Wo kriegt mir das?

00:08:43: Ist im Buchhandel ganz normal, also Christine und ich, Helga Palmer.

00:08:48: Da, als die Christine Lavand Gesellschaft gekrönet wurde, warst du dann relativ bald dabei?

00:08:55: Also ich habe ja 15 Jahre meines Lebens in Schweden verbracht.

00:08:59: Also zur Gründungszeit, wo ich gerade in Schweden wohnhaft habe, allerdings die Gedichtbüchlein von der Christine auch natürlich mit gehabt und habe sie hier und da gelesen.

00:09:09: Ich bin dann im Jahr 1999 zurück nach Österreich und dann, also ich weiß nicht mehr ganz genau, aber in den folgenden Jahren, vielleicht 2001, 2002, bin ich dann zur Gesellschaft als Mitglied dazu gegangen.

00:09:24: Und im Jahr 2022, da hat mich eben der ehemalige Präsident, der Magister Franz Bachhisel gefragt, ob ich nicht im Vorstand mitarbeiten möchte.

00:09:35: Und ja, es macht mir sehr große Freude und bin eben jetzt das dritte Jahr schon als Schriftführerin tätig.

00:09:43: Nicht nur das, du führst Menschen, die mehr über Christine Lavand wissen wollen, auch zu eben den wesentlichen Stationen ihres Lebens im Ort, in Saint-Steffan, im Lavendorf,

00:09:58: so ungefähr in der Mitte des Daules, die da angesiedelt und das wollen wir jetzt auch machen.

00:10:04: Und ich freue mich schon auf diesen, auf diesen Spätiagern.

00:10:14: So, wir sind jetzt direkt vor dem Haus der Musik in Saint-Steffan, denn hier vor dem Haus steht eine Statue, die an Christine Lavand erinnert.

00:10:29: Die Bronze Skulptur hat die starische Künstlerin Hartenseer geschaffen und sie steht hier seit dem Vorjahr 2024.

00:10:37: Warum hier?

00:10:41: Die Hartenseer war im Jahr 2015 beim 100. Geburtstag von der Christine Lavand zu einer Lesung hier.

00:10:50: Und ich habe sie bei der Aufstellung der Skulptur getroffen, die Hartenseer.

00:10:55: Und sie hat mir erzählt, dass damals diese Gedichte sie sehr ergriffen, sehr begeistert haben.

00:11:03: Ein damaliges Vorstandsmittel der Christine Lavand Gesellschaft, der hat dann zu ihr so leicht hingesagt, ja, mach du doch mal eine Statue von der Christine.

00:11:12: Und es hat nichts Schriftliches gegeben, aber die Hartenseer ist nach Hause, war voll begeistert, hat angefangen, eine kleine Tonstatue zu machen.

00:11:23: Das war dann so 40, 50 cm groß, diese Statue. Und als Muster hat sie dann, also das war das Muster, diese kleine Statue.

00:11:33: Und dann hat sie in den Jahren 2016 und 17 eine Gipsstatue gemacht, die dann eben der Abguss dieser Bronze Statue geworden ist.

00:11:44: Und jetzt war die Statue zwar fertig, aber es hat keinen Vertrag oder nichts gegeben.

00:11:50: Natürlich ist das eine sehr kostspielige Sache, so eine Statue zu produzieren.

00:11:56: Und es hat dann halt sehr viele Diskussionen gegeben. Wer soll das jetzt bezahlen?

00:12:01: Wo soll es überhaupt aufgestellt werden? Es hat viele verschiedene Plätze gegeben, wo man gemeint hat, das würde passen.

00:12:09: Zum Beispiel das Moosilhaus in Klagenfurt oder die Werner Berggalerie oder eben der Heimatort der Dichterin.

00:12:18: Und irgendwann, im Frühling 2024, dann hat es auf einmal eine Einigung gegeben.

00:12:25: Es sind Bund, Landkernten, die Stadtgemeinde Wolfsberg und die Christine Lavandgesellschaft zusammengegangen und haben eben die Finanzierung dieser Statue ermöglicht.

00:12:36: Und zum Glück ist sie dann eben auch hier an ihrem Heimatort aufgestellt worden.

00:12:41: Man entdeckt wieder den Kopf unter dem Kopf durch, hat der Journalist Hubert Geisbauer immer geschrieben.

00:12:48: Und ich finde, es trifft es ganz gut, v.a. auch hier im Laufendahl.

00:12:53: Und meiner Ansicht nach ist eben dieses, dieser Blick auf diese außergewöhnliche Kraft der Gerichte und der Prose und den Gehalter,

00:13:02: der Wort und das Können dieser Frau und dieser Vielseitigkeit, die hatte ja auch Humor gehabt, also neben all dem Schmerz.

00:13:10: Das ist eigentlich relativ jung und v.a. im Laufendahl ist es eigentlich ein junges Phänomen.

00:13:17: Was meinst du?

00:13:20: Das stimmt. Und ich fange meistens die Führung so an, indem ich den Falco zitiere.

00:13:26: Und der Falco, der hat ja gesagt, in Wien muss erst sterben, damit es dich hochleben lassen, aber dann lebst lang.

00:13:34: Und ein bissel so ist es eben mit der Kristine auch gewesen. Sie war zwar schon zu Lebzeiten in literarischen Kreisen anerkannt,

00:13:42: aber eben in Ihren Heimatort, da war sie eben das etwas komische alte Weihwahl.

00:13:48: Heute gibt es eben den Kristine-Lawand-Platz, auf dem wir stehen.

00:13:53: Die Kristine-Lawand-Mittelschule, neue Mittelschule, den Kristine-Lawand-Kindergarten, die Kristine-Lawand-Straße

00:14:00: und eben seit Juni 2024 diese Bronze-Statue.

00:14:06: Sie zeigt die Dichterin als, ich würde sagen, wenn ich es nicht wüsste, dass er Dichterin ist, würde ich sagen, das ist ein Markt.

00:14:16: Also eine junge Bayern, wie man es halt früher, Anfang des 20. Jahrhunderts, vielleicht auf den Bildern gesehen hat, oder Ende des 19. Jahrhunderts.

00:14:25: Also einen Kleid mit vorn an den Tuch und ein Kopftöchel.

00:14:30: Und die Handhaltung ist eher abwartend, ruhig, ein Blick zum Boden.

00:14:36: Das mit der Handhaltung, also der Finger zeigt hinunter zu ihrem Werk, das hat mir die Hotenz ja auch erklärt.

00:14:43: Sie trägt am Finger den Ehrenring der Marktgemeinde St. Stefan, den hat sie 1965 bekommen, wenn ich jetzt mit der Jahreszahl richtig bin.

00:14:53: Und er zeigt eben hinunter auf ihr Werk.

00:14:57: Und die Hotenz ja hat das ja so beschrieben mit einem Satz.

00:15:01: Ihre Gestalt rührt uns und unumstößlich zu Füßen ihr Wort.

00:15:07: Lieber, dieses Treuer aufs Füßen.

00:15:14: Ja, so schön.

00:15:15: Gell?

00:15:16: So, da sind wir da.

00:15:18: Wir stehen jetzt vor einem Bildstock und da hast du gesagt, da gäbe es auch schon was. Zumindest ein Gerücht zu erzählen.

00:15:37: Ja, also mir ist erzählt worden, dass hier bei diesem Bildstock in Großedling diese Marienstatue, die ist ja jetzt sehr schön renoviert und so.

00:15:46: Aber die hätte damals die Mutter von der Christine Lavand trotz bitterster Armut gespendet, weil sie eben eine sehr fromme, kirchlich interessierte Frau gewesen ist.

00:15:58: Die Religiosität ihrer Mutter und überhaupt das katholische Umfalt, das damals ja tief in den Alltag hineingewirkt hat, hat sie zweifel ausgeprägt.

00:16:08: Hat ja aber auch das Leben nicht leichter gemacht und ihre Texte spiegeln kritische und für die damalige Zeit geradezu widerständige Gedanken und Empfindungen.

00:16:20: Ihre Gedichte wurden ja auch als Lestergebiet bezeichnet, wenn ich mir richtig erinnere.

00:16:25: Und sie selber hat einmal gesagt, für Geschöpfe meiner Art ist es sehr weit bis zum Herzen Gottes.

00:16:33: Und wir stehen vom Geburtshaus von Christine Lavand. Hier wurde sie geboren aus eines von neuen Kindern, einer Bergbaufamilie.

00:16:52: Und der Bergbau war damals ja wichtig in St. Stefan. Kannst du uns ein bisschen mehr darüber erzählen?

00:17:00: Ja, vom Bergbau selber bin ich nicht. Der Spezialist, aber es war halt schon ein sehr wichtiger, wie soll ich sagen, Arbeitgeber für die Bevölkerung da.

00:17:09: Der Vater von der Christine Lavand, der hat eben als Bergarbeiter gearbeitet, ist dann leider durch diese ganzen Sprengungen taub geworden oder fast taub.

00:17:19: Hat dann nicht mehr unter Tag arbeiten dürfen und hat dann halt nur über Tag irgendwelche Arbeiten getan, hat dadurch etwas weniger verdient.

00:17:28: Und das war natürlich für die Familie mit den vielen Kindern auch ein harter Schlag, weil die Versorgungsbürde war halt sehr groß.

00:17:36: Und die Mutter, die eben als Flickschneiderin gearbeitet hat, die hat das ja kaum geschafft, dass sie die vielen Kinder eben satt bekommen kann.

00:17:45: Die Christine war eben das neunte Kind, allerdings sind zwei ihrer Geschwister ja schon als Säuglinge gestorben, also ein Bruder und eine Schwester.

00:17:54: Es waren dann eben noch sechs Schwestern und ein Bruder.

00:17:59: Und wenn auch die Rahmenbedingungen eben hart waren, also die Christine war kränklich, schwach, hat schon als Baby die Skropholose.

00:18:10: Aber es waren zwei große Plus auch in ihren Leben, das war einerseits dieses Behütetsein in einer großen Geschwisterschau.

00:18:18: Die Schwestern haben sie alle geherzt, geküsst, natürlich auch gestritten, aber sie war ein sehr behütetes Zartelle als letztes Kind.

00:18:28: Und ihre Mutter war eben wie schon gesagt eine sehr fromme Frau und auch eine sehr liebevolle Mutter.

00:18:34: Also sie hat sie eigentlich so wie das damals üblich war, so gut wie nie geschlagen und sie hat eine besondere Beziehung zu ihrer Mutter gehabt.

00:18:44: Also das Haus, in dem Christine der Wand gewohnt hat, ist jetzt saniert.

00:18:49: Das ist ein nicht besonders großes, nicht besonders hohes Haus mit einer typischen Tochform, wie es halt früher da in der Gegend üblich war.

00:18:58: Da drinnen wohnte die Familie in einer Stube, aber wie sie ja mal geschrieben hat, hat sich dieser Raum geweiht durch ein Spiegel.

00:19:09: Ja, eben in dieser Becklkäusche, so heißt eben dieses Geburtshaus, in dieser einen Stube, da hat es eben einen Spiegel gegeben.

00:19:17: Und vom Bett der Mutter aus hat eben die kleine kränkliche Christine, die da eben meistens zu Hause geblieben ist,

00:19:25: weil sie so wetanfällig war und sich leicht verkühlt hat.

00:19:29: Da hat sie dann eben in diesen Spiegel hineingeschaut und dort war dann diese zweite Stube, also die imaginäre Stube.

00:19:39: Und das hat sie dann irgendwie so zum Träumen und zum Weiterfantasieren gebracht, also dieser Blick in den Spiegel.

00:19:46: Und sie schreibt dann vermutlich ist es diese Verzauberung, die sie auch zu Dichterin werden ließ.

00:19:53: Du hast erzählt, dass in die Stube der Flickschneiderin aber viele Leute kamen und da wurde viel erzählt.

00:20:01: Und auch das hat die Bedeutung für die spätere Dichterin.

00:20:05: Ja, die Christine war eben wie schon gesagt sehr viel zu Hause bei ihrer Mutter und dann sind die Leute halt gekommen.

00:20:11: Und das war dann natürlich nicht nur, dass man eben ein Leintuch oder eine Hose zum Reparieren oder zum Flicken abgegeben hat,

00:20:19: sondern man hat alles aus dem Leben erzählt, was nur irgendwie passiert ist.

00:20:24: Und die Christine schreibt da irgendwann, es waren Liebesgeschichten, es waren Selbstmorde, es waren Grenzsteinverrückungen,

00:20:32: es waren Krankheiten, verrückt werden, betrogen werden.

00:20:36: Alles, was ein Menschenleben nur beinhalten kann, hat sie von diesen Leuten gehört und gespickt mit ja vielen Fremdwörtern,

00:20:46: die oft mest oder halt sehr oft falsch ausgesprochen worden sind.

00:20:50: Aber für mich war das sicher so, dass diese Erzählungen dann ein Schatz waren für die Christine,

00:20:57: so wie ein Schatzkästlein an Erlebnissen, an Geschichten, an Erzählungen, aus denen sie dann später in ihren Werken eben geschöpft hat.

00:21:10: Jetzt sind wir weitergegangen und eingebaut in einem Feldweg, neben uns, ihr hört es vielleicht, die Kugelappen,

00:21:17: ein paar Hausten da im Schatten, es sind Streuobstwiesen und so, abgesehen jetzt vom Lärm der Autos da in der Nähe,

00:21:28: so war wahrscheinlich ja die Gegend wie Christine Lavand oder Lavand gelebt dazu,

00:21:34: wenn sie das Nächte da durch die Gegend gegangen ist und einfach nachgedacht hat vermutlich, um auch bewusst allein zu sein.

00:21:44: Aber du hast mir erzählt, was die vielleicht noch verbindet oder noch fasziniert hat als junges Mädchen

00:21:50: und das ist die Natur vermutlich und die Beschreibungen und die Details.

00:21:54: Ich bin ja eben auch im Lavantal aufgewachsen, ich habe auch eben fünf Geschwister, oder wir waren fünf Geschwister,

00:22:01: eine liebevolle Mutter haben wir gehabt, so eben wie auch bei der Christine, dass der Fall war.

00:22:06: Und was mich sehr immer an ihren Gedichten gereizt oder was mich sehr gefesselt hat,

00:22:12: dass sie eben diese Verbindung zur Natur, sie erwähnt ja sehr oft Blumen oder Gemüse,

00:22:19: die Zwiebelchen, die Wurzeln, sie hat so wunderschöne, was soll ich sagen, botanische Wortschöpfungen

00:22:27: und das hat mich immer sehr irgendwie gefesselt, weil ich ja auch eben mit der Natur und in der Botanik

00:22:34: sozusagen aufgewachsen bin, ich kann mich auch gut erinnern, als Kind, ich und meine Schwestern,

00:22:39: wir haben genau gewusst, da drüben, da wachsen jetzt die Vergissme nicht

00:22:43: und da drüben, da sind jetzt bald die Sumpftotterblumen und das war so der ganze Blumenreigen

00:22:50: durch das Jahr, der hat mir sehr viel gegeben und ich finde eben so kleine Stücke aus diesen Blumenreigen

00:22:59: auch in den Gedichten von der Christine und das gefällt mir eben sehr.

00:23:03: Die Natur und die Details aus der Natur, die Pflanzen, die Blumen,

00:23:09: also die Bilder, die die Wolken im Himmel erzeugen und vieles anderes mehr,

00:23:15: die machen ja ein Teil dieses Bilderreichtums aus, also so meine Wahrnehmung.

00:23:20: Ja, genau, also sie ist hier aufgewachsen, ihre Geschwister sind sicher diesen Weg hier entlang gegangen,

00:23:27: die haben immer das Vieh für die Verwandten hüten müssen, sie sind hinunter zu den Larwandauen

00:23:32: und das war natürlich etwas, das sie auch sehr geprägt hat, diese Nähe zur Natur.

00:23:38: Ich würde ja gerne noch länger da bleiben, aber wir haben gesagt, wir machen einen Rundgang, also wo gehen wir jetzt hin?

00:23:45: Jetzt gehen wir zum Wetterkreuz, da haben wir dann auch noch einmal einen sehr schönen Ausblick eben auf einen Teil des Larwandales.

00:23:52: Sehr gut, machen wir jetzt andere Richtung.

00:24:09: Jetzt sind wir quer durch die Ecke auf einem Feldweg,

00:24:15: die Krälen im Hintergrund vor uns sind Krähen, die nach Jause suchen am Acker

00:24:22: und sind an einem, wie du mir gesagt hast, für die Krästine Larwand bedeutenden Ort angekommen.

00:24:32: Ja, und zwar ist das Wetterkreuz in Großedling und dieses Wetterkreuz war für die Krästine so scheinbar ein bisschen ein magischer Platz.

00:24:40: Sie erwähnt das sehr oft in ihrem Gedicht, nachdem sie ja sehr schlecht geschlafen ist

00:24:45: und dann ist sie eben meistens in der Nacht spaziert.

00:24:48: gegangen. Da stelle ich mir vor, wie sie hier gestanden ist. Das Kopfduch hat geweht, ihre

00:24:52: Röcke haben geweht und geflattert im Wind. Und sie hat ihn aufgeschaut auf die Korralmen. Das war

00:24:59: für sie das Sinnbild ihrer Lavantal Heimat. Dann hinunter auf die Spitzenzacken von der

00:25:05: Betzen, die erwähnt sie auch hier und da in gewissen Erzählungen und so. Und im Westen eben die

00:25:12: runden Kuppen von der Saualm. Und dazwischen ist die Lavant. Und wenn man hinunter schaut zu den

00:25:18: Lavantauen, dort ist sie eben auch oft spaziert gegangen. Sie erwähnt ja in einer Erzählung,

00:25:26: dass sie gleich nachdem sie geheiratet hat, da waren sie so bitter arm, da sie in die Lavantauen

00:25:32: gegangen und hat noch Wurzeln gegraben, um sich eine Suppe zu kochen, hat dabei leider

00:25:37: irgendetwas erwischt, was nicht so zuträglich war. Und dann haben wir eben beide eine Lebensmittel

00:25:43: vergiftet und gehabt. Die Kresine Lavant hat seit frühesten Tagen gesundheitliche Probleme. Sie war

00:25:52: einfach zuerst das, was man bei unserer Tadelle nennt, hat klein, gebreichlich dann die Skropholose,

00:25:58: diese schmerzhafte Hautausschlag, der Nest und sie auch zu einer Außenseiterin gemacht hat. Sie wurde

00:26:07: natürlich die wenigen Tage wo sie in der Schule war, wurde sie natürlich auch gehänzelt und wollte

00:26:14: sie ja nicht angreifen, weil die anderen Kinder waren irgendwie voller Abscheife vor diesem

00:26:19: ja nicht ansehnlichen Wesen. Das Zort war, Bloss war, känglich war und im Körper überseht war

00:26:27: mit Näsentenwunden. Sie war relativ früh im Krankenhaus, sie war später, wollte sie sich in

00:26:35: jungen Jahren das Leben nehmen, war dann auch in der Nervenheilanstalt, hat darüber geschrieben.

00:26:44: Ja, sie war ja wie gesagt, hat zeitlebens unter einer schlechten psychischen und physischen

00:26:50: Gesundheit gelitten, also erstens die Skropholose, die haben ja auch ihre Augen angegriffen. Sie ist

00:26:57: da nicht blind geworden, weil sie eben mit neun Jahren im Krankenhaus im Lk Klangfurt war. Sie ist

00:27:03: dann mit 15 Jahren, hat sie eine Mittelauentzündung gehabt, da ist sie dann auf dem rechten Ohr fast

00:27:08: ertaubt. Sie hat eben immer wieder diese Schübe der Schwermut gehabt, was man ja heute eben als

00:27:14: Depression bezeichnen würde und eben dann auch im Erwachsenen leben. Also sie hat von Schilddrösen

00:27:22: Problemen bis zu Lungenentzündungen eigentlich fast immer irgendwelche Krankheiten gehabt und in

00:27:29: irgendeinem Gedicht, da schreibt sie ja, auf jeder Stufe meines Leibes haust ein Schmerz für sich.

00:27:36: Nach dazu, sie hat auch einmal Tuberkloße gehabt und ist damals dann behandelt worden mit viel

00:27:44: so hochtosierten Augenstreuen, das hat jetzt teilweise die Haut verbrannt. Also was sie jetzt

00:27:50: rein körperlich und dann auch natürlich psychisch mitgemacht hat, das war einfach kaum erträglich

00:27:56: und ist auch immer wieder Thema in ihren Texten. Aber auch sonst ist ihre psychische Verfasstheit ja

00:28:05: nicht unbedingt gestärkt worden von ihrer Umgebung, denn sie hat in ihren Texten auch von der,

00:28:12: muss man schon sagen, Brutalität des Lebens am Landes als Kind oder als Teil einer sehr,

00:28:21: sehr armen Gesellschaftsgruppe erzählt und das verübeln ihr, manche Leute vermutlich bis

00:28:29: heute, hat sie auch ihre Rolle als Außenseiterin vor Ort, so angesehen sie mit den Jahren dann wurde,

00:28:36: aber nicht, nicht vereinfacht. Also einer ihrer Förder in Jungenjahren war ein Arzt, den sie ein

00:28:43: primarien Klang vor, der Dr. Purcher und seine Frau Paula. Sie hat eben schon sehr viel literarische

00:28:49: Werke von der Familie Purcher auch bekommen und dann irgendwann haben sie ja auch eine

00:28:54: Schreibmaschine geschenkt. Ob das jetzt genau die Frau Purcher war, bin ich mir nicht ganz sicher,

00:29:00: aber halt auch von irgendeinem Gönner hat sie die bekommen und das war für sie dann halt sehr hilfreich.

00:29:05: Während des, der Zeit des Nationalsozialismus, also muss ich sagen, sie hat erste Werke,

00:29:12: erste Gedichte in der regionalen unterkernenden Nachrichten veröffentlicht in den Jahren 1933

00:29:17: und '35, hat aber in der Zeit des Nationalsozialismus dann aufgehört damit, weil sie gefürchtet hat,

00:29:25: das Alternasie-Programm des Alternatsis und hat auch einiges vernichtet. Erst nach dem Krieg

00:29:34: hat sie da wieder zu schreiben begonnen und hat dann auch Menschen kennengelernt, die ihr Talent

00:29:41: erkannt und gefördert haben. Ja, genau. Also sie ist sozusagen während des Krieges verstummt und erst

00:29:48: dann nachher sind dann wieder Erzählungen gekommen, so wie eben das Kind, Maria Katharina Nell und

00:29:55: eben solche Geschichten. Sie hat ja dann eben auch zu Kriegsbeginn im Jahr 1939 geheiratet. Ihre

00:30:03: Eltern sind '37 bzw. '38 verstorben und sie hat ja noch damals in dieser Becklkäusche, wo man

00:30:11: vorher war, gelebt. Die Verwandten haben aber dann wohl gefürchtet, dass sie die Miete nicht mehr

00:30:16: bezahlen würde können und haben gesagt, sie muss da hinaus. Und sie hat dann eben zu dieser Zeit

00:30:23: ihren zukünftigen Ehemann kennengelernt, den Josef Benedikt Habernick. Ich wollte nur noch kurz

00:30:31: über dieses Wetterkreuz hier ein paar Worte sagen und zwar ist dieses Wetterkreuz 1883 errichtet worden.

00:30:38: Das war für Sankt Stephan ein Notjahr. Also es war ganz ein schlechter Sommer. Es hat gehagelt, es

00:30:45: hat Überschwemmungen gegeben und ob das jetzt mit der Eruption von dem Vulkan Krakatau in Indonesien

00:30:55: zusammenhängt, das weiß ich nicht, aber Tatsache ist, dass durch diese Eruption gewaltige

00:31:01: Aschemasse in die Erdatmosphäre gelangt sind und das kann natürlich sicher das Wetter auch in Europa

00:31:09: beeinträchtigt haben. Es sind zwei Stallgebäude im Dorf, total niedergebrannt und die Bauern haben

00:31:17: sich keinen Rat gewusst, als eben dieses Wetterkreuz aufzustellen. Und man hat dann das Gelübde

00:31:23: abgelegt, jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag wird vom Kreuz in Großedling bis zum Wetterkreuz

00:31:33: eine kleine Bittprozession veranstaltet. Wir sind nun wieder zurück in den Ort sein Stephan

00:31:44: gewandert und stehen vor dem Haus, in dem Christine Lavant ihre letzten Jahre verbracht hat. Nach dem

00:31:53: ihre Eltern gestorben sind, musste sie aus der Becklkauschen ausziehen, weil sie war zu befürchten,

00:31:59: dass die Einkünfte nicht für die Miete reichen, sie hat dann geheiratet und kam hierher, aber darüber

00:32:06: zöst du mir jetzt mehr. Die Mutter ist 38, gestorben, der Vater ist 37 und ungefähr zur

00:32:12: gleichen Zeit, also schon 1937, hat sie ihren zukünftigen Mann, den Landschaftsmaler Josef Benedikt

00:32:19: habe nicht kennengelernt. Und zwar hat er angeblich in Wolfsberg irgendwo gemalt und die Christine

00:32:26: selbst war ja auch ein grafischer Kunst interessiert und war nicht ungeschickt darin, da hat sie eben

00:32:32: ihren Mann in Zukunft getroffen. Wie die Eltern dann verstorben sind, hat sie dann eben 39 geheiratet.

00:32:39: Sie haben dann zwölf Jahre in einer anderen Dachwohnung gewohnt bei einem Bergarbeiter,

00:32:46: aber ab 1951 bis zu ihrem Lebensende 1973 hat sie dann hier im Kaufhaus Linschnick ihre Stube

00:32:55: gehabt. Die Familie Linschnick hat ihr Unterkunft gegeben und hat auch nach dem Tod der Dichterin

00:33:04: sich um ihr Werk bemüht und wirklich engagiert. Aber also ihre Ehe war jetzt nicht unbedingt die

00:33:12: allerglücklichste, man war Landschaftsmaler ungefähr genauso anbissig selber. Also ich hatte

00:33:18: immer den Eindruck, ob das nicht da ein bisschen vernunftsähig war, damit sie einfach versorgt

00:33:22: ist und dass es gemeinsam vielleicht leichter schaffen. Sie selber hat ja ihren Lebensunterhalt

00:33:27: mit dem Stricken verdient, weil sie gesagt, Stricken ist ja, schaut ihr irgendwann mal Stricken ist so

00:33:34: gut, weil man kann fein lesen dabei. Der Josef Benedikt Habernig, der war eben 36 Jahre älter als sie,

00:33:41: und wie sie dann eben ihren Geschwister in ihren zukünftigen Hochzeiten präsentiert hat, also

00:33:48: das Altersunterschied, dann war er ja geschieden, er war vollständig verarmt, er hatte in der

00:33:54: Nachkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg sein Gut verkaufen müssen und außerdem ist er aus der

00:34:00: Kirche ausgetreten gewesen. Und wie die Geschwister das gehört haben, da war halt natürlich die

00:34:06: Entrüstung ziemlich groß, die älteste Schwester, die war so entsetzt, die wollte sie sogar in die

00:34:13: Psychiatrie einweisen lassen, aber das haben zum Glück eben die anderen Geschwister verhindert.

00:34:18: Ja man kann sich ja fragen, warum hat die Christine diesen eigentlich mittellosen Mann

00:34:23: geheiratet, aber vermutlich ist es so wie die Nina sagt, sie war auf einmal ganz allein, ihre

00:34:29: Eltern waren weg und sie hat einfach irgendwie vermutlich jemanden gesucht, zu dem sie gehören

00:34:36: wollte, den sie umsorgen konnte, sie hat immer betont, er braucht mich und versorgt hat eigentlich

00:34:43: sie ihn, weil mit Malerei war zu dieser Zeit nicht viel zu zu verdienen. Sie hat aber nach dem

00:34:53: Krieg erfreulicherweise dann Menschen getroffen, die sie verstanden haben, ihr unmittelbares Unfeld

00:35:00: in St. Stefan, da hat sich schwer mit dieser Frau, die so gar nicht in gesellschaftliche

00:35:07: Muster baste und sie ja nicht pressen ließ, offensichtlich, aber sie hat nach dem Krieg durch

00:35:13: Zufälle Künstlerinnen und Künstler kennengelernt, Förderer, ihre ersten Werke sind erschienen,

00:35:20: sie hat dann Anerkennung erhalten. Ja und da in dieser Gesellschaft hat sie aufgeliebt, sie hat

00:35:26: dann auch einen Mann kennengelernt, ebenfalls einen Künstler, einen erfolgreichen Künstler damals,

00:35:32: den Werner Berg, dessen Werke halt noch in Bleiburg zu sehen sind in der Werner Berggalerie,

00:35:37: zeitlang war die Geschichte, die Liebesgeschichte des verheirateten Mannes glücklich, dann entschied

00:35:46: sich Christine Lavant auch, vermutlich unter dem Druck der Ehefrau von Werner Berg, doch von ihm

00:35:54: gelitten zu lassen und war, dann hat die letzten Jahre alleine verbracht. Sie hat den Werner Berg

00:36:00: 1950 bei den St. Feiter Literatur-Tagen kennengelernt und man hat ja früher immer gedacht, ja das war

00:36:07: so eine Freundschaft, aber jetzt sind ja eben durch das Buch von Herrn Scheicher, ist ja dieser

00:36:14: gesamte Briefwechsel veröffentlicht worden und jetzt kann man eigentlich nachlesen, wie sehr

00:36:19: eigentlich auch der Werner Berg der Christine zugetan war. Es war nicht nur sie, die diesen

00:36:25: recht festen Maler angehimmelt hat, sondern es war wirklich eine Liebesbeziehung und das war

00:36:33: eben genau, bevor sie da ins Kaufhaus Linschnitt gezogen ist. Ihr Mann, der Herr Habernick, war

00:36:39: natürlich mäßig erfreut über dieses Treffen und es ist dann zu ziemlich argenszenen gekommen

00:36:46: und ich stelle mir das einfach schrecklich vor, wenn man eine Stube mit jemandem bewohnt, die 12

00:36:52: Quadratmeter groß ist und dann ist man einander eigentlich spinnefeind und muss da ehrliche

00:36:58: Kämpfe ausstehen, also das war es für sie sicher sehr schwierig. Andererseits war eben diese

00:37:07: Liebesbeziehung zum Werner Berg für sie irgendwo eine Erfüllung, sie hat ihm irgendwo geschrieben,

00:37:12: du hast mich zu einer Frau gemacht und auch ihr gesamtes literarisches Schaffen oder sehr viel

00:37:20: von dem ist ja eben aus dieser Liebesbeziehung und eben endlich auch dem Zerbrechen dieser

00:37:26: Liebesbeziehung entstanden. Wer mehr über Christine Lavant erfahren will, es gibt von der

00:37:35: internationalen Christine Lavant-Gesellschaft eine neue Auflage des Werks der Gentner Dichterin,

00:37:44: kommentierte Ausgabe, wirklich lesenswert. Dann gibt es eine Dauerausstellung im Museum

00:37:51: im Lavant-Haus, ein kleiner Teil der ständigen Ausstellung ist der regionalen Dichterin-Gebiet.

00:37:57: Und dann gibt es noch die Christine Lavant-Gesellschaft eben in seinen Steffern,

00:38:02: wenn ihr mit Helga Palmer den Spuren der Dichterin Christine Lavant nachgehen wollt,

00:38:07: die Adresse findet ihr ebenfalls in den Show-Nots. So und wir schauen jetzt weiter.

00:38:13: So nah ging mir die Nacht noch nie, im Halbtraum beuge ich das Knie, helf ihr das Mondkreuz tagen.

00:38:33: Das Mondkreuz ist zum ersten Mal in einem Gedicht von Christine Lavant entstanden und

00:38:44: heute schmückt es das Mondkreuz, das Grahab der Dichterin in St. Steffern.

00:38:51: Ja wir stehen hier ja am Friedhof, das ist dann eben die letzte Station dieses Spazierganges.

00:38:57: Die Christine ist nicht einmal als 58-Jährige einem Schlaganfall erlegen. Sie war einige Tage

00:39:05: im LKH Wolfsberg, am 7. Juni 1973 ist sie dann am Morgen verstorben. Eine Woche später, also am

00:39:16: 15. war dann das Begräbnis, da war zuerst am Vormittag, hat der Gemeinderat in Wolfsberg eine

00:39:24: Trauersitzung abgehalten und dann am frühen Nachmittag war unten beim Rathaus von St.

00:39:30: Steffern praktisch die Einsegnung und von dort ist dann der Trauerzug heraufgeschritten zum

00:39:37: Friedhof in St. Steffern. Es gibt einen Zeitzeugen, der bei diesem Begräbnis dabei war und zwar war

00:39:45: das ein literarischer Kollege von der Christine Lavant und er beschreibt das so schön, das

00:39:51: möchte ich kurz zitieren. Als die Zeremonie im Gange war, ich glaube es war bald nach Beginn,

00:39:58: meldete sich eine andere Stimme. Im Gezweig eines Busches unmittelbar neben dem offenen Grab begann

00:40:08: ein Vogel zu singen, Amsel oder Meise, ich weiß es nicht, doch so lebhaft und eindringlich,

00:40:16: dass es nicht anders als zum Trauerakt Gehörig erschien. Eine Lobpreisung, ein Necrolog.

00:40:25: Ein riesengroßes Kreuz steht auf dem Grab dieser körperlich kleinen, aber Schriftsteller ist

00:40:37: ganz großer Frau, Lavendel blüht der Nehmen oder Wirtblün und Gräser. Die Statue kam ein paar

00:40:44: Jahren nach, Christine Lavant ist tot hierher. Das Grabkreuz, das hat der Künstler Heinz Glavischnig

00:40:50: aus Sankt Veit gestaltet und das wurde 1976 hier aufgestellt. Dieses Zitat vom Anfang, das hat er

00:41:01: eigentlich erst nach der Fertigstellung dieses Kreuzes irgendwann gelesen und hat dann aber gesagt,

00:41:07: diese Zeile entspricht praktisch diesem Kunstwerk. Wir sind nun am Ende unseres Kumpels, ich danke dir.

00:41:14: Bevor wir uns für heute trennen, gibt es noch unsere Rubrik "Kachgefrockt" 10 Fragen,

00:41:24: diesmal an Helga Ballmer von der Christine Lavant Gesellschaft. Ein Gedanke von Christine Lavant,

00:41:34: der dich begleitet.

00:41:37: Fuch, das ist jetzt schwierig so "Kachgefrockt". Eigentlich ist es vielleicht, man nimmt es hier

00:41:45: immer als sehr tragische Dichterin wahr irgendwo und trotzdem finde ich, hat sie in ihren Werken

00:41:51: Lebensfreude, dass das trotz allen tragischen, trotz allen Haar dann mit Gott oder auch mit ihrer

00:41:59: Liebesgeschichte, die eben dort so tragisch geendet hat, es ist irgendwie so wie ihre Nichtige

00:42:06: gesagt hat, sie hat so gern gelebt.

00:42:08: Was würdest du Christine Lavant heute gerne fragen?

00:42:14: Ich würde die ganzen Entstehungsgeschichten von ihren eher großer Werken noch einmal durchfragen

00:42:22: und ob sie da irgendwie reale Vorbilder hat. Bei manchen weiß ich es ja und bei manchen würde ich

00:42:28: gerne wissen, ob es da wirklich einen lebenden Menschen gibt, an den sie damals gedacht hat.

00:42:35: Gibt es andere Literatinnen oder Literaten, die dich begleiten?

00:42:41: Die Marlène Haushofer mag ich sehr gern, weil das jetzt zum Beispiel dieses Buch "Die Wand",

00:42:47: das ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, das berührt mich sehr und sonst eigentlich

00:42:53: sehr viele Bücher zum Beispiel von der Anne-Marie Selinko Desiree gibt es auch, das ist ein

00:43:00: altes Buch aus den 1950ern, das hat meine Oma besessen und das ist eben über die Desiree

00:43:07: von Schweden, wo ich ja dann später eben auch gelebt habe, das war vielleicht schon

00:43:11: ein kurzer Vorblick oder so, das habe ich auch sehr geliebt.

00:43:17: War es bei dir auch so, wie bei mir am Land, wo die Besucher in der Bücherei ein Highlight

00:43:25: des der Woche waren?

00:43:28: Ja genau, und zwar hat sie da in St. Stefan im ehemaligen Rathaus, hat sie so eine, ja

00:43:33: wie soll ich sagen, etwas muffige Bibliothek gegeben und ich war da wirklich ein fleißiger

00:43:39: Kunde, habe dort auch unter anderem eben Christine Lavand Bücher mehr ausgepakt als Jugendliche

00:43:46: und dann später bin ich natürlich im Wallsberg gewesen, weil ich das Borg besucht habe,

00:43:50: dann war ich halt dort in der Stadtbibliothek und war ich auch ein sehr fleißiger Bücherheimtrager

00:43:57: und auch Leser.

00:43:58: Ja, Lesen, das sind die abends halben Kopf, hat sie einmal geißen, ich glaube das stimmt

00:44:05: noch immer.

00:44:06: Was wolltest du als Kind werden?

00:44:09: Ich glaube, der größte Wunsch, was am präsentesten war, war vielleicht Ärztin, gut das bin ich

00:44:17: da nicht geworden, ich habe ja dann Landwirtschaft studiert, also nach dem Borg, nach der Matura

00:44:22: bin ich nach Wien gegangen, habe zweieinhalb Jahre eben an der Universität für Bodenkultur

00:44:28: studiert, dann ist aber mir in die Quere gekommen, dass ich eben meinen Ex-Mann kennengelernt

00:44:34: habe, das ist ein Schwede und ich habe dann eben einen Sohn bekommen und bin dann halt

00:44:39: nach Schweden ausgewandert, mit großen Glauben an die große Liebe, bin aber dann 99 wieder

00:44:48: nach Österreich zurück, habe aber in der Zwischenzeit in Schweden die Ausbildung zur

00:44:53: biomedizinischen Analytikering gemacht und habe dann zuerst am Klinikum in Klagenfurt

00:44:59: im Akutlabor gearbeitet und dann von 2000 bis 2023 im Zentralabor im LKH Wolfsberg.

00:45:08: Und jetzt bist du im unruhe Zustand?

00:45:13: Jetzt bin ich eine fröhliche Pensionist, die meist fröhlich, man hat natürlich familiäre

00:45:18: Verpflichtungen, ich betreue meine Mutter und man hat da so diverse Sachen, man hilft

00:45:23: den Kindern etc. etc., aber über seine Zeit selbst verfügen zu können, das ist schon

00:45:30: ein Geschenk.

00:45:31: Ja, ein Geschenk und ein Teil dieser Zeit, ein Geschenk zu der Christine Lavand Gesellschaft.

00:45:37: Was ist für dich Heimat?

00:45:41: Jo, Heimat sind wahrscheinlich in erster Linie die Menschen, die man eben mit denen man lebt

00:45:47: und die man hoffentlich auch liebt und dann natürlich auch irgendwie geografisch, eine

00:45:53: Bindung hat man ja eben zu diesem Tal hier, nur natürlich, wenn da keine Menschen mehr

00:45:59: leben würden, die ich liebe, kann ich mir die Heimat auch irgendwo anders finden, vermutlich.

00:46:05: Aber grundsätzlich ist es schon eben das Lavand Tal.

00:46:08: Also du hast eine zweite Heimat in Schweden gefunden, wie würdest du das Verhältnis zu

00:46:15: dem Land heute beschreiben?

00:46:17: Also ich habe Schweden sehr geschätzt in den 80er-Jahren eben, wie ich dahin aufgegangen

00:46:22: bin, war ja das soziale Schweden wirklich ein Musterland, also das war super organisiert,

00:46:29: ich habe dann eben oben meine Tochter bekommen und das war alles so toll aufgebaut, das ganze

00:46:35: Sozialwesen, die Mütter betreuen, nur hat sich Schweden halt in den letzten Jahren schon

00:46:41: sehr gewandelt und heute finde ich, ist schon sehr vieles irgendwie mangelhaft geworden.

00:46:47: Man hat das System zu Tode gespart und ich weiß nicht, wie das bei uns da werden wird,

00:46:53: aber es hat sich halt schon sehr verändert.

00:46:55: Ich liebe das Land und die Natur Schweden nach wie vor, aber das Leben hier in Österreich

00:47:02: liegt mir trotzdem mehr.

00:47:04: Was hättest du früher gerne gewusst?

00:47:10: Ja, das ist eine schwierige Frage.

00:47:14: Ich finde, das Leben ist irgendwie eh so, dass man die Erfahrungen, die man macht, die

00:47:22: lassen einen einfach reifen, deshalb kann ich da eigentlich gar nichts definieren, das

00:47:27: hätte ich wissen müssen.

00:47:29: Ich meine, mit dem Resultat heute wäre ich vielleicht nicht nach Schweden gegangen,

00:47:35: weil das eben die Ehe mit meinem Mann nicht gehalten hat, aber andererseits, der Beschluss

00:47:41: damals war für mich richtig und ich bin mit dem irgendwie zufrieden.

00:47:45: Was würdest du deinem zwölfjährigen Ich raten?

00:47:51: Sei mutig, habe Spaß und versuche ein guter Mensch zu sein.

00:47:59: Und wofür bist du dankbar?

00:48:03: Für meine Eltern, für meine Geschwister, für meine Kinder, also eigentlich Familie und

00:48:10: eben natürlich auch, dass ich so privilegiert geboren worden bin in einem Land, wo es uns

00:48:16: doch so gut geht.

00:48:19: Ich wünsche dir, dass es dir weiterhin gut geht.

00:48:22: Ich danke dir für die Zeit, für den Rundgang, für deine Geschichten, für eine großartige

00:48:27: Frau aus dieser Gegend und sage dir, wenn eine große Frau aus dieser Gegend, noch einmal

00:48:33: herzlichen Dank.

00:48:34: Alles Gute.

00:48:35: Ja, und euch sag ich auch danke fürs dabei sein, fürs zuhören für eure Zeit.

00:48:40: Ich wünsche euch alles Gute, falls ihr den Podcast weiter empfehlt.

00:48:44: Danke euch, falls ihr Vorschläge habt, falls ihr Gäste hören wollt, die ich einladen soll,

00:48:52: die ich besuchen soll, dann schreibt mir die Adresse, findet ihr in den Shownaut.

00:48:59: Und einstweilen, alles Liebe, eure Nina Pop.

00:49:15: Danke.

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